Chorreise ins Heilige Land
Es
ist gute Tradition an der Herforder Hochschule für Kirchenmusik, dass ihr Chor
in regelmäßigen Abständen auf Konzertreise geht. In diesem Jahr gastierte das
von Prof. Hildebrand Haake geleitete Ensemble im Heiligen Land.
Prof.
Monika Hofmann, an der Hochschule für das Blechbläserspiel zuständig, machte
die Reise möglich. Sie ist seit Längerem auch in Palästina als Pädagogin
engagiert und unterrichtet dort im Rahmen des Projekts „Brass for Peace“
palästinensische Kinder und Jugendliche. Die dabei geknüpften Kontakte
ermöglichten der Herforder Reisegruppe ein vielfältiges Programm aus
Auftritten, Besichtigungen und Begegnungen.
„Israel freue sich des, der ihn gemacht hat“,
heißt es im 149. Psalm, den J. S. Bach in der doppelchörigen Motette „Singet
dem Herrn ein neues Lied“ (BWV 225) anspruchsvoll vertont hat. Das Werk bildete
den Höhepunkt eines abwechslungsreichen Konzertprogramms, zu dem Stücke von
Mendelssohn und Bruckner, eine große Auswahl Spirituals und Knut Nystedts „If
you receive my words“ traten. In vier Konzerten brachte der Herforder Chor
diese einem jeweils unterschiedlichen Publikum zu Gehör.
Das
erste Konzert fand am Mittwoch, den 27. April 2011 in der Lutherischen
Himmelfahrtskirche auf dem Ölberg in Jerusalem statt. Im arabisch-christlichen
Ibillin erklang am Donnerstag libanesische und ägyptische Musik mit dem
Repertoire des Herforder Chores im gleichen Konzert. In der anglikanischen
Kirche von Ramleh traf der Chor am Sabbat auf ein musikalisch versiertes
Publikum, das lebhaft Beifall spendete und mit wachem Sinn die Reserven des
Chores mobilisierte. Den Schlusspunkt bildete am Sonntag ein Konzert in der
franziskanischen Katharinenkirche von Bethlehem.
In
Jerusalem und Bethlehem finden sich Orgeln aus Deutschland und Österreich, an
denen Rektor Helmut Fleinghaus das Programm um auf die Chorstücke abgestimmte
Instrumentalwerke bereicherte, darunter eines seines Herforder Prorektors
Hans-Martin Kiefer. „In die Wüste eilt´ ich dann fort, fände Ruhe am schattigen
Ort“ sang Jutta Potthoff zur Orgelbegleitung im Wechsel mit dem Chor in
Mendelssohns Hymne nach Psalm 55, und spätestens bei einer Wanderung durch das
Wadi Qelt in der judäischen Wüste am Tag vor der Abreise wurde den Teilnehmern
deutlich, welche Landschaft dem Psalmdichter vor Augen stand.
Vom
Gästehaus Talitha Kumi nahe Bethlehem besichtigte die Gruppe das Land und
ausgewählte Stätten biblischer Geschichte. Ausflüge führten in die Altstadt von
Jerusalem, zur Gedenkstätte Yad Vashem, nach Akko, Haifa, zum See Genezareth
und nach Jericho.
Die
arabischen Musiker von Ibillin luden zu einem schmackhaften Abendessen ein und
erwiesen sich als humorvolle und offene Gastgeber. Besonders beeindruckt zeigten
sich viele Chorsänger von Engagement und Tatkraft eines palästinensischen
Unternehmers, der aus dem christlichen Glauben Kraft schöpft und beharrlich
seinen von der Enteignung zugunsten der israelischen Siedlungspolitik bedrohten
Hügel nahe Bethlehem zu einem profitablen landwirtschaftlichen Betrieb und zu
einer Begegnungsstätte ausbaut.
Der
ungelöste Konflikt zwischen Israelis und Palästinenser ist zwar in Gestalt der
neu errichteten Mauer deutlich sichtbar. Zur Erleichterung der Verantwortlichen
hatten die politischen Umwälzungen in den arabischen Nachbarländern aber keine
nachteiligen Auswirkungen auf die Sicherheitslage in Israel. Wenig mehr als
zwölf Stunden nach ihrem Bad im Toten Meer traf die Reisegruppe am Dienstag
wohlbehalten wieder in Herford ein.
Wer
sich für das aktuelle Konzertprogramm des Chors der Hochschule für Kirchenmusik
interessiert, sei auf das für Sonntag, den 19.6.2011 geplante Konzert aus
Anlass des 1000-jährigen Jubiläums von St. Marien Stiftberg hingewiesen, bei
dem Teile daraus auch vor heimischem Publikum erklingen werden.
Moritz Krotz
Zurück
|