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Dasein und Zuhören
Wechsel in der Leitung der Notfallseelsorge: Christian Lümkemann übergibt an Pfarrer Hartmut Hermjakob
Foto: Hartmut Hermjakob (links) und Christian Lümkemann
zusammen mit einigen der Notfallseelsorgern – unter ihnen auch
Superintendent Michael Krause.
Text und Foto: Bernd Höner
An seinen ersten Einsatz als Notfallseelsorger kann sich
Christian Lümkemann noch gut erinnern: „Mit zitternden Knien fuhr ich dorthin –
und kam mit einem guten Gefühl zurück: Ich konnte einem Menschen in einer
besonderen Notlage beistehen.“ Das war
vor rund zehn Jahren.
Damals, im Jahr 2002, wurde die Notfallseelsorge im Bereich
des Kirchenkreises Herford institutionell verankert: Einsatzpläne wurden geschrieben,
dem Diakonischen Werk Herford die Geschäftsführung übertragen, die Kooperation
mit dem Kreis Herford vertraglich besiegelt. Christian Lümkemann, Vorstand des
Diakonischen Werks Herford und Prädikant (Laienprediger), übernahm nicht nur
selbst Einsätze, sondern wurde vom Kirchenkreis Herford zum Synodalbeauftragten
für die Notfallseelsorge eingesetzt und übernahm fortan die Leitung und Koordination
dieses Aufgabenfeldes, in dem Kirchen, Feuerwehr, Polizei und Hilfsdienste
zusammenarbeiten. Am Samstag, 19. Juni, wurde Lümkemann in einem
Gottesdienst aus diesem nebenamtlichen Dienst verabschiedet und Pfarrer Hartmut
Hermjakob von der Kirchengemeinde Herford-Mitte von Superintendent Michael
Krause als Nachfolger eingeführt.
Mittlerweile gibt es ein Team von mehr als zwanzig
ausgebildeten Notfallseelsorgern – neben Pfarrern auch Sanitäter und engagierte
Laien – die im Jahr für jeweils zwei Wochen den Bereitschaftsdienst übernehmen.
Rund um die Uhr können sie von den Leitstellen der Feuerwehr und der Polizei auf
einem speziellen Handy gerufen werden, um Angehörige oder auch Augenzeugen beim
plötzlichen häuslichen Tod, bei tödlichen oder schweren Unfällen im Betrieb
oder auf der Straße zu betreuen oder um zusammen mit der Polizei
Todesnachrichten zu überbringen.
„Wir bleiben auch dann, wenn Feuerwehr, Sanitäter und
Polizei wieder abrücken“, sagt Hartmut Hermjakob, der von Anfang an dabei war.
Die Notfallseelsorger bleiben so lange wie nötig, mindestens aber, bis Verwandte
oder Freunde da sind und den Betroffenen beistehen können. Viele Einsätze finden
im häuslichen Bereich statt und manchmal wird die Betreuung auch vom
Ortspfarrer übernommen, aber auch bei Katastrophen und sogenannten
„Großschadenslagen“ sind die Notfallseelsorger im Einsatz. Als vor einigen
Tagen in Bünde-Dünne ein Mann in einer Firma um sich schoss und mehrere Arbeitskollegen
verletzte, waren gleich sieben der an ihren violetten Jacken erkennbaren Seelsorger
vor Ort, um sich sowohl um die Opfer wie auch um die Helfer zu kümmern. „Wir
waren den ganzen Nachmittag da und auch noch am nächsten Morgen, um das
Geschehen gemeinsam mit den Einsatzkräften zu verarbeiten“, erzählt Hermjakob.
„In solchen Situationen ist plötzlich und unerwartet alles
ganz anders“, beschrieb Hartmut Hermjakob in seiner Predigt im Gottesdienst die
Situationen, in der Notfallseelsorge zum
Tragen kommt: „Wir treffen Menschen an, deren Leben von einem Augenblick auf
den anderen leer, hoffnungslos und sinnlos geworden ist, die unter Schock
stehen und manchmal absonderliche Dinge tun.“
Notfallseelsorge ist in erster Linie Dasein und Dabeisein.
„Es ist ganz wichtig, dass man da ist und zuhört“, berichtet Christian
Lümkemann, der aus gesundheitlichen Gründen die Notfallseelsorge abgibt, aus
seiner langjährigen Erfahrung. „Die Menschen müssen Gelegenheit zum Erzählen
haben. Falsch wäre es, sie jetzt mit Bibelsprüchen totzuschlagen.“ Erst am Ende
eines Einsatzes hat er dann gefragt, ob man mit ihm beten wollte. „Das hat nie
jemand abgelehnt“, sagt Lümkemann.
Einer der Initiatoren der Notfallseelsorge im Kreis Herford ist Rüdiger
Meier, Stadtbrandmeister in Bünde und Bürgermeister in Kirchlengern. Im
Anschluss an den Gottesdienst dankte er im Namen der Feuerwehren im Kreis
Herford Christian Lümkemann für seinen Dienst und erinnerte an die Anfänge der
Notfallseelsorge in Deutschland: Besonders das schwere ICE-Unglück in Eschede
1998 habe die Augen dafür geöffnet, dass sowohl Einsatzkräfte wie auch
Angehörige seelische Hilfe benötigten. Es brauche Menschen, die zu den Betroffenen
hingehen, sogar bis an die Einsatzstelle – so wie auch Jesus zu den Menschen in
Not hingegangen sei, sagte der Feuerwehrmann.
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