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Im Zeichen der Nacht: Großartige Benefizveranstaltung für die evangelische TelefonSeelsorge Ostwestfalen
Zuhören, verstehen, ermutigen – das sind die Hauptaufgaben der Mitarbeitenden der TelefonSeelsorge Ostwestfalens. Und besonders nachts ist das Sorgen um die Seelen anderer intensiv. So stand der Benefizabend am Freitagabend in der Werster Versöhnungskirche unter dem Motto „NachtEngel“, denn gerade nachts können ihre Telefonate Hoffnung und Halt geben.
Ein Schreibtisch, ein Telefon, einen Computer und ein Schlafsofa für die Nachtschicht – mehr brauchen die Mitarbeitenden der TelefonSeelsorge Ostwestfalen für ihre Arbeit nicht. Unter der Leitung von Pfarrerin Petra Henning sind zwei hauptamtliche Mitarbeiterinnen Sabine Scholz-Hörstmann und Petra Ottensmeyer, sowie cirka 80 Ehrenamtliche für die Anrufenden da. „Tag und Nacht sind wir für Menschen in Krisen und Notsituationen gesprächsbereit. Auch jetzt und in diese Nacht hinein ist eine Mitarbeiterin im Dienst. Wir werden gern als die ‚Nachtgesichter der Kirche’ bezeichnet“, sagte die engagierte Pfarrerin zur Begrüßung des Benefizabends am letzten Freitag. Gemeinsam mit Pfarrer Hartmut Birkelbach vom Kulturreferat „KuK!" des Kirchenkreises Vlotho, hatten sie einen kurzweiligen Abend unter dem Motto „NachtEngel“ vorbereitet, dessen Erlös in die Arbeit der TelefonSeelsorge Ostwestfalen fließt.
Und der begann mit einem hochkarätigen Konzert der Westfälischen Saxophoniker, die in ihrem Programm „SeraphimSax“ Johann Sebastian Bachs Oster- und Himmelfahrtsoratorium für neun Saxophone plus Kesselpauken sorgfältig arrangiert hatten. Bereits beim Einzug in die Kirche durch die Seitengänge erahnten die Zuhörer schnell, dass sie hier ein ungewöhnliches Klangerlebnis erwartete. Stimmgewaltig und in immer wieder neuen Formationen - von großer Besetzung bis zum intimen Trio - zeigten die Musiker die Spannbreite ihres Könnens und den Mut die barocke Musik mit dem Jazz zu verschmelzen. Die rund 200 Besucher waren sichtlich begeistert: langanhaltender Applaus und stehende Ovationen ließen an der Forderung nach einer Zugabe keinen Zweifel. Bachs Oratorien erfuhren eine enorm lebendige, moderne und ergreifende Umsetzung, der man sich nur schwer entziehen konnte.
Gestärkt am reichhaltigen Finger-Food-Büffet der Werster Männerkochgruppe ging es mit einer Konzert-Lesung weiter: Der Theologe und Autor Jürgen Giszas aus Lübbecke trug mit ruhiger, kraftvoller Stimme meditative Texte zum Thema ‚NachtEngel' vor, begleitet von Marc Nolte, der diese mit dem Saxophon musikalisch variierte. Im Wechsel las Pfarrer Jürgen Giszas Gedichte, beispielsweise von Hermann Hesse, Rose Ausländer, Reiner Maria Rilke vor, breitete seine Gedanken über die Nacht aus oder interpretierte Bibelstellen wie „Jakobs Kampf mit dem Engel“. „Nachts wird vieles ausgeblendet, was uns tags den Blick verstellt. Und dann kann die Nacht zur Verheißung werden“, meinte Pfarrer Giszas. Besonders Konflikte würden nachts stärker, wenn wir auf uns selbst geworfen seien und nicht ausweichen könnten, so der Theologe.
Und gerade dann braucht es „Engel“ - wenn außer Krankenärztlichen Notdiensten, Polizei und Feuerwehr niemand mehr ansprechbar sei. „Durch die Dunkelheit sind die Gespräche oft sehr intensiv und dauern auch länger als am Tag", weiß die Mitarbeiterin der TelefonSeelsorge Sabine Scholz-Hörstmann aus eigener Erfahrung. Für viele sei es eine Entlastung, wenn sie überhaupt ausdrücken könnten, was sie bedrücke. „Wir begleiten die Menschen in Krisen mit Hilfe des Telefons. Lösen können wir ihre Probleme nicht, aber wir versuchen mit ihren eigene Wege zu finden.“ Einsamkeit, Probleme in der Familie und Partnerschaft oder psychische wie physische Erkrankungen seien die häufigsten Gesprächsinhalte. In solchen Situationen ist es das Wichtigste, sich in Menschen hineinfühlen zu können. Die Menschen sollen erkennen, dass sie den Ereignissen des Lebens nicht hilflos ausgeliefert sind. Das Telefonat ist dann ein Geschenk, das Hoffnung geben will.
Text und Foto: Anja Brandt
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