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Taufe darf nicht folgenlos bleiben
Männerarbeit im Kirchenkreis Herford: Theologischer Vizepräsident Albert Henz mahnt stärkere soziale Verantwortung an

Zu Gast in Herringhausen: Pfarrer Albert Henz, Theologischer Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen (FOTO: Bernd Höner)
Herford. Das „Jahr der Taufe“ sei eine „Erfolgsstory“ gewesen, sagt Pfarrer Albert Henz, Theologischer Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen. Im Gemeindehaus Herringhausen sprach er am Samstag (28. Januar) vor etwa 120 Gästen. Eingeladen hatte die Männerarbeit im Kirchenkreis Herford.
Die Landeskirche hatte 2011 das „Jahr der Taufe“ ausgerufen – offensichtlich mit Erfolg. „Es hat nicht nur viele inhaltliche Veranstaltungen zum Taufverständnis hervorgebracht, sondern bemerkenswert viele und große Tauffeste an ungewöhnlichen Orten“, berichtete der Vizepräsident. Seiner Aussage nach bewirkte das Aktionsjahr eine große öffentliche Aufmerksamkeit und eine erhebliche Zahl an Taufen. Henz: „Neben vielem anderen, was es aus unserer Kirche zu berichten gibt, ist das erfreulicherweise mal wieder so etwas wie eine ´Erfolgsstory´.“
Mit der Taufe bekenne man sich zum christlichen Glauben, und das sei nach wie vor aktuell. „Erwachsenentaufen nehmen zu – gerade in Ostdeutschland“, berichtete Henz. „Aber auch die Eltern, die Mütter, manchmal sogar die Großeltern oder Freunde, die ein Kind zur Taufe anmelden bekennen damit, dass ihnen der christliche Glaube und die Mitgliedschaft in der Kirche nicht gleichgültig ist.“
In seinem Vortrag „Taufe – ein Zeugnis“ erklärte der Vizepräsident historische sowie theologische Aspekte der Taufe und betonte vor allem die Mitverantwortung der Kirchengemeinden für das Leben. Sehr deutliche Worte sagte er beispielsweise zur erschreckenden sozialen Benachteiligung von Menschen: „Wenn wir Kinder taufen, darf das nicht folgenlos bleiben für unser Engagement für sie.“ Zum Beispiel könne das Thema Kinderarmut niemanden kalt lassen. „Wir dürfen davon ausgehen, dass in sozial gefährdeten Milieus durchschnittlich mehr Kinder zur Welt kommen als in den wohlhabenden. 20 Prozent der Kinder in Deutschland, also jedes fünfte Kind, gilt als armutsgefährdet.“
Außerdem kritisierte Henz ungleiche Bildungschancen als Grund für Facharbeitermangel, Kriminalität, schlechte Schulabschlüsse und viele andere Probleme. „Auch wenn schon einiges in die richtige Richtung geht: Es reicht nicht. Wir müssen Helfer und Lobbyisten sein, sowohl in den Angeboten durch unsere Gemeinden, durch unsere Kindertagesstätten, durch unseren Religionsunterricht, aber auch durch politisches Engagement.“
In den vergangenen zwölf Monaten hatte die Männerarbeit im Evangelischen Kirchenkreis Herford mehrmals das Thema „Taufe“ auf ihre Agenda gesetzt und Veranstaltungen organisiert. „Wir wollen uns der Thematik theologisch, lebenspraktisch und ökumenisch annähern“, sagte Holger Kasfeld, Sozialpfarrer des Kirchenkreises.

Eine gelungene Veranstaltung zum Thema „Taufe“. Von links:
Dieter Tönsing, Vorsitzender der Männerarbeit im Kirchenkreis, Pfarrerin Simone Rasch, Vizepräsident Albert Henz und Pfarrer Holger Kasfeld konnten 120 Gästen begrüßen (FOTO: Annika Tismer)
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