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Veronika Bennholdt-Thomsen sprach im Haus der kirchlichen Dienste über alternatives Wirtschaften und Leben

 

Wie kann Wirtschaften und Leben im 21. Jahrhundert aussehen – und zwar so, dass alle Menschen auf der Welt davon profitieren? Mit dieser zentralen Frage beschäftigten sich am Samstag, 26. Februar, Frauen, die in das Haus der kirchlichen Dienste gekommen waren. Eingeladen zu diesem Vormittag hatten die beiden Gleichstellungsbeauftragten des Kreises Herford, Ella Kraft und Silke Vahrson-Hildebrand, sowie die Gleichstellungsbeauftragte des Kirchenkreises Herford, Manuela Müller-Riepe, die Vertreterin der VHS im Kreis Herford, Helga Lütkefend, und die Pfarrerin für Frauenarbeit im Kirchenkreis Herford, Sabine Haverkamp. Professorin Veronika Bennholdt-Thomsen führte in die Theorie der Subsistenz ein. Im Anschluss an diesen Vortrag diskutierten die Teilnehmerinnen in kleinen Gruppen.

 Die Subsistenzperspektive geht davon aus, dass jede und jeder in der unmittelbaren Umgebung alles zum Leben bekommt, was er oder sie braucht. Sie ist aber nicht nur ein philosophisches Konzept, Subsistenz wird auch im Zusammenhang mit der Wirtschaftsform einfacher Gesellschaften verwendet. Hierbei befindet man sich in einem geschlossenen System, in dem wirtschaftliche Leistung nicht auf die Anhäufung von monetärem Reichtum, sondern auf Selbstversorgung und auf die Deckung des Eigenbedarfs ausgerichtet ist. Die Referentin erläuterte an Beispielen, wie Subsistenz auch im globalen Zusammenhang funktionieren kann.

Veronika Bennholdt-Thomsen belegte ihre These mit dem Beispiel von Kleinbäuerinnen in Kenia, die statt Kaffee heute Gemüse anbauen, mit dem sie sowohl sich und ihre Kinder ernähren als auch auf dem Wochenmarkt ein gutes Einkommen erzielen können. Mit diesem Überschuss können sie das einkaufen, was sie sonst für den Lebensunterhalt der Familie brauchen. So haben sich die Frauen dort von der Weltwirtschaft unabhängig gemacht und konzentrieren sich heute auf das gute Leben im lokalen Umfeld.

Auf Deutschland übertragen bedeutet dieses Wirtschaften, so Professor Bennholdt-Thomsen, das Streben nach weniger Reichtum, nach Genügsamkeit und dem Alltäglichen. Diesem Streben liegt die Erkenntnis zugrunde, was man zum Leben wirklich braucht: Essen, Trinken, Kleidung, ein Dach über dem Kopf, Gemeinschaft – eine menschenwürdige Subsistenz.

Die anschließende lebendige Diskussion drehte sich in einigen Kleingruppen unter anderem um die „Zwickmühle“, in der sich viele Frauen wieder finden: Sie erkannten die gegenläufigen Anforderungen der Lohnarbeit und der individuellen Lebensentwürfe. Und sie fragten, wie lassen sich Erwerbsarbeit und Kinder in Einklang bringen, wie begegnet man Anforderungen so, dass Erschöpfung vermieden wird. Eine Teilnehmerin fragte: „Wie kann ich selber dafür sorgen, dass mein Leben lebenswerter wird?“ Ideen, wie man zufriedener leben kann, trugen die Teilnehmerinnen zusammen und benannten zum Beispiel: ehrenamtliche Mitarbeit. „Gemeinschaftsarbeit“, so Pfarrerin Haverkamp, „kann für die Beteiligten zu innerem und zu äußerem Frieden vor Ort führen.“  

Wichtig war den Teilnehmerinnen, dass für bürgerschaftliches Engagement auch die gesellschaftliche Anerkennung gebraucht wird. Im Zusammenhang der Subsistenzperspektive allerdings wurde deutlich, dass zum guten Leben nicht nur die Würdigung durch andere oder ein Einkommen notwendig ist, sondern dass man auch selber würdigen muss, was man tut.

Bildzeile: Die Organisatorinnen der Veranstaltung zur politischen Bildung von Frauen (von links): Ella Kraft, Silke Vahrson-Hildebrand, Sabine Haverkamp, Veronika Bennholdt-Thomsen, Manuela Müller-Riepe und Helga Lütkefend.

Text: Frauke Brauns, Foto: privat

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