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„Die güldene Sonne bringt Leben und Wonne“


Nun suchen wieder viele den Platz an der Sonne. Schöne Tage im Urlaub – so soll es sein.

Nachdem in diesem Jahr so viel über das Klima diskutiert worden ist, fährt wohl auch die Sorge mit in den Urlaub, die Sonne könnte gefährlich sein – zumindest wenn sie wie in diesem Sommer am Mittelmeer kräftig scheint. Immer wieder Warnungen vor zuviel Sonne. Wer Sonne tanken wolle, müsse aufpassen, dass er sich nicht verbrenne. Die Risiken für die Haut werden vorgerechnet, zugleich aber ist ein Bad in der Sonne auch herrlich.

Offenbar hat die Sonne zwei Seiten für uns. Sie ist verlockend und gefährlich. Die Sonne bringt mit ihrer gewaltigen Energie das Leben auf der Erde hervor, zugleich wachsen die Wüsten.

Zu allen Zeiten haben Menschen um diese zwei Seiten der Sonne gewusst. Die Sonne hat mit ihrer Kraft immer wieder gleichermaßen Faszination und Schrecken hervorgerufen. An vielen Orten der Welt ist sie deswegen auch wie ein Gott verehrt worden. Die Kulturen Ägyptens, Griechenlands und Südamerikas kannten die Sonne als Gottheit.

Auch die Bibel bringt Gott und Sonne eng miteinander zusammen, ohne dabei allerdings die Sonne selbst in Gottesrang zu heben. Um zu sagen, wie Gott für uns ist, wird von der Sonne geredet. Gottes Licht und Gottes Liebe erreichen uns Menschen wie die Strahlen der Sonne. „Die güldene Sonne bringt Leben und Wonne“, so singen wir es in unseren Gottesdiensten. Gott lässt sein Angesicht über uns leuchten voll Wärme und Licht. Die Bibel weiß aber auch um problematische Seiten der Sonne – besonders dann, wenn sich die Sonne verfinstert. In diesem Schauspiel der Natur liegt ein gewisser Schauder für die Menschen bereit; es wird ja auch deutlich kühler, wenn der Mond sich zwischen Sonne und Erde schiebt. Sollte Gott da gar sein Antlitz verbergen? Und hat unser Gott ebenso wie die Sonne zwei Seiten?

In unserem Glauben schauen wir auf Jesus Christus, um dieser Zweiseitigkeit zu entkommen. Paul Gerhardt hat gedichtet: „Mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein, ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein. Die Sonne, die mir lachet ist mein Herr Jesus Christ; das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist.“

Sonnenschein auch dort, wo manches traurig macht; die lachende Sonne auch dort, wo manches freudlos ist – und die Sonne ist stärker.

In einem – maßvollen – Bad in der Sonne mögen wir diese Stärke erahnen. Doch was ist, wenn es am Urlaubsort regnet? Dürfen wir dann sagen: „Der Regen ist flüssiger Sonnenschein?“  Ich hoffe, unsere Kinder können sich dieser Deutung anschließen.

Pfarrer Michael Krause, Kirchengemeinde Südlengern

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