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Alle Jahre wieder?
Alle Jahre wieder kommt die Adventszeit. Lange schon hat sie sich angekündigt: Weihnachtsdekoration, Weihnachtsplätzchen, Weihnachtsmärkte, Weihnachtswerbung – all dies ist nicht zu übersehen und erzeugt in mir je nach momentaner Stimmung Überdruss, Vorfreude, manchmal auch nur Gleichgültigkeit.
Und immer wieder frage ich mich nach dem Inhalt des Ganzen. Auf was warten wir? Was könnte kommen, was nicht lange schon da ist – 2000 Jahre nach Christi Geburt? Wo ist die verheißene Erlösung? Der Frieden auf Erden? Das Reich Gottes, das nahe herbeigekommen sein soll?
Natürlich gibt es Zeichen. Natürlich hat Jesu Leben, Sterben und Auferstehen diese Welt verändert. Es gibt immer wieder Christen, die etwas von seiner Botschaft der Liebe verinnerlicht haben und für den Frieden eintreten. Spannende Beispiele habe ich kürzlich wieder unter http://www.peacecounts.org/ entdeckt.
Doch das Entscheidende für mich ist ein Gedanke, den ich bei den deutschen Mystikern gefunden habe: Es reicht nicht, dass Jesus in die Welt gekommen ist, er muss auch in uns selbst einziehen. Er muss seinen Platz in unserem Herz, in unserer Mitte einnehmen.
Dass das passiert, ist etwas, das ich nicht erzwingen kann: weder mit strengen Übungen, noch mit positiven Gedanken oder guten Taten. Aber ich kann versuchen, mich Gott zu öffnen, indem ich leer werde. Indem ich loslasse, was meinen Alltag ausfüllt: meine Wünsche, meine Pläne, meinen Ärger, meine Ängste.
Auch das ist nicht leicht. Aber wenn ich ruhig werde, wenn ich die Stille suche, wenn ich für eine Zeit auf Ablenkung verzichte, dann entsteht ein neuer Raum in mir. Zuerst kann es passieren, dass dieser Raum genau von dem besetzt wird, was mich unruhig macht. Doch wenn ich mich dem stelle, wenn ich mir das ansehe, wenn ich darauf hoffe, dass Gott mir darin beistehen wird, dann kann es geschehen, dass sich dieser Raum weiter öffnet. Und dass dann, gerade wenn ich es nicht erwarte, Gott in mir einzieht.
Möge uns dies in dieser Adventszeit widerfahren.
Hanno Paul, Krankenhauspfarrer.
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