Annehmen wie Christus
„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob". (Römer 15, 7)
Die Aufforderung bringt Entscheidendes für den mitmenschlichen Umgang, vornehmlich in der christlichen Gemeinde, auf den Punkt: Einander annehmen und gelten lassen. Einander immer wieder die Hand reichen und vergeben. Die eigenen Begabungen zum Nutzen aller verwenden und die jeweiligen Begrenzungen gemeinsam tragen.
Wie ist das möglich, da die Menschen doch so verschieden sind? Ohne gemeinsame Basis sicher nicht. Der Glaube an Jesus Christus ist das gemeinsame Fundament der Christen. Ihr Glaube schaltet sie nicht gleich, doch er ermöglicht, Verschiedenheiten miteinander zu versöhnen. In der Gemeinde erfahren Christen: Christus hat sie zuerst angenommen mit der Art, wie jeder ist.
In der Gemeinde lebt man wie in einer Familie: Man ist sich nicht fern, aber man ist sich auch nicht nur nahe. Nur die Liebe schafft es auf Dauer, Nähe und Abstand zueinander in ein gutes Verhältnis zu bringen. Da ist nichts für immer festgelegt. Lauter lebendige Beziehungen von Menschen, die sich verändern.
Der „gute Wille“ regelt viel, aber nicht alles. Denn wo Nähe ist, erlebt man nicht nur Gemeinschaft, sondern auch Verletzungen. Darum muss das tragende Fundament tief genug reichen. Würde jeder nur sich sehen, würde man sich aufreiben und aus dem Weg gehen. Das Scheitern in dieser Hinsicht begleitet die christlichen Kirchen seit jeher.
Wie die Gemeinde als „Familie Gottes“ zusammenhalten kann, sagt der zweite Satzteil: „…wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“ Demnach ist Christus die Klammer, die Brücke, das Bindeglied. Er verbindet die Christen mit einem bestimmten Abstand zueinander, so dass jeder er selbst bleibt. Die Beziehung zu Gott ist enger als die zwischenmenschlichen Beziehungen und gestaltet diese.
So können Christen eine offene und geschwisterliche Gemeinschaft leben. Glaubwürdigkeit und Scheitern liegen immer dicht beieinander. Das Bewusstsein, von Christus selbst angenommen zu sein, ist der notwendige Ausgangspunkt für gelingende christliche Gemeinschaft. Die hat Ausstrahlung und macht Gott alle Ehre. Sie hat bis heute etwas Ansteckendes und Einladendes.
Sind Sie dabei, am Sonntag im Gottesdienst und davor und danach auch im Alltag?
Markus Fachner, Pfarrer in der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Ennigloh
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