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Ganz aufgeregt kam einer zum weisen Sokrates gelaufen: „Höre, Sokrates, das muss ich dir erzählen, wie dein Freund…“ „Halt ein!“ unterbrach ihn der Weise. „Hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?“ „Drei Siebe?“ fragte der andere verwundert. „Ja, drei Siebe! Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“ „Nein, ich hörte es erzählen.“

„So, so! Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft, es ist die Güte. Ist, was du mir erzählen willst, wenn schon nicht als wahr erwiesen, so doch wenigstens gut?“ „Nein, das ist es nicht, im Gegenteil.“ Der Weise unterbrach ihn: „Lass uns auch noch das dritte Sieb anwenden und fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich so erregt!“ „Notwendig nun gerade nicht.“ „Also“, lächelte der Weise, „wenn das, was du mir erzählen willst, weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!“ –

Die genannten drei Siebe stets anzuwenden, ist weise, verlangt aber ein hohes Maß an Selbstbeherrschung. Das Reden über das Schlechte, das andere (Nachbarn, Politiker, Funktionäre, Institutionen) getan haben, hat eine Sogwirkung, der man sich nur schwer entziehen kann. Und es geht meist mit einer auffälligen Blindheit für die eigenen Macken und Fehler einher.

Allerdings: Tatsachen unter den Teppich zu kehren, aufgebrachte Gefühle zu unterdrücken, hilft nicht weiter. Schweigen ist nicht immer Gold. Es kann auch bequem oder feige sein und die Wahrheit verschleiern.

Zwischen selbstgerechtem Anprangern anderer und Unter-den-Teppich-Kehren von Missständen schlägt die Bibel – ähnlich den drei Sieben – einen wenig beachteten Mittelweg vor: „Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn“ (Jakobus 1,19). Genau hinzusehen, geduldig hinzuhören, auch Zwischentöne wahrzunehmen – das muss im Umgang miteinander höchste Priorität haben. Die Worte, zumal wenn sie Urteile über andere enthalten, sollen gut überlegt sein, kein Schnellschuss. Mit dem Reden zu zögern, zügelt den Sog der Sensationslust. Und es nimmt dem Zorn seine Spitze, seine verletzende Wirkung.

Ein hohes Ziel, sicher. Erstrebenswert ist es allemal.

Pfarrer Markus Fachner, Ev.-Luth. Philippus-Kirchengemeinde Bünde

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