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Guten Morgen, liebe Sorgen...
Geht es Ihnen auch manchmal so, dass Sie morgens aufstehen und die Aufgaben des Alltags stehen Ihnen wie ein Berg vor Augen? Sie fragen sich: Werde ich wohl alles bewältigen? Wird meine Kraft ausreichen? – Ich jedenfalls habe schon so manchen Tag von morgens bis abends unter innerer Anspannung gestanden – und bisher jeden von ihnen besser bewältigt als zunächst befürchtet. Aber ich habe auch jedes Mal gespürt, dass Daueranspannung ungesund ist, dass der Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung wesentlich bekömmlicher ist.
Diese Einsicht steht auch hinter der biblischen Aussage: „Alle eure Sorge werft auf ihn (Gott); denn er sorgt für euch“ (1. Petrus 5,7). Ein überlebenswichtiger Hinweis für alle, die für andere Menschen Verantwortung tragen, familiär, beruflich oder (so ursprünglich) in der christlichen Gemeinde. Die Menge der Aufgaben, das Verantwortungsgefühl, der eigene Ehrgeiz – das alles kann einen auffressen, macht sich wichtig, macht einen wichtig, täuscht einem Gewicht vor, das man nicht hat. Die Versuchung ist groß, es sich anzumaßen – mit der Folge, eines Tages überlastet zusammenzubrechen. Lust und Last des Sorgens liegen dicht beieinander.
Um weder dem einen noch dem anderen zu erliegen, ist es nötig, bewusst auf Abstand zu gehen. Die Sorge auf Gott zu „werfen“, ist ein deutlicher, drastischer Ausdruck dafür. Aber Loslassen ist nicht einfach, sondern ein ständiges Übungsfeld. Den Druck der Sorge, die einen treibt, wahrnehmen, innehalten, ausatmen, die Dinge mit Gott ins Gespräch bringen und dadurch ein neues Maß, eine neue Bewertung finden – manchmal gelingt es innerhalb von Sekunden, manchmal braucht es Tage.
Meine Erfahrung ist: Solange ich die Sorge alleine für mich wälze, werde ich von ihr bestimmt. Spreche ich sie aber vor Gott aus, gerate ich mit ihr in einen neuen Zusammenhang. Mein Horizont weitet sich. Die Anspannung lässt nach. Ich atme auf, denn ich kann vertrauen: Gott sorgt für mich. Menschen, den Gang der Dinge, ja die ganze Welt hält er in der Hand: „He’s got the whole world in his hand“. Dieses Gottvertrauen besiegt die Herrschaft der Sorge, entlarvt sie als Kleinglaube.
Ob man jemals dahin kommt, sich gar nicht mehr zu sorgen? Wohl kaum. Es reicht, jeweils den Wechsel zu vollziehen: vom krampfhaften Festhalten zum Loslassen („werfen“). Vom Sorgen zum Vertrauen. Von der ersten Strophe zum Abgesang: „Gute Nacht, liebe Sorgen…“.
Ich wünsche Ihnen und mir viele gute Erfahrungen auf diesem Übungsfeld.
Pfarrer Markus Fachner, Ev.-luth. Kirchengemeinde Ennigloh
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