Ich baue manchmal großen Mist
Ich baue manchmal großen Mist. Mache Fehler. Tue anderen Menschen weh. Vergesse etwas zu erledigen, worauf sich andere verlassen haben. Hinterher tut es mir Leid, aber ich kann von allem nichts rückgängig machen.
Ich lebe nicht allein, und alles, was ich tue, hat Auswirkungen auf andere: das, womit ich anderen Freude bereite, und das, was ihnen schwer zu schaffen macht. So ist es nun einmal, und wenn ich meine Tage nicht als Einsiedler verbringen möchte, muss ich lernen damit zu leben.
Manche Menschen machen es mir leicht. Sie zeigen Verständnis: „Das ist mir auch schon passiert!“ Sie haben für mich mit gedacht und gehandelt: „Ich habe gemerkt, dass da was schief läuft, und alles für dich geregelt.“
Andere schlagen so richtig in die Kerbe und ich spüre, dass es meine Hilflosigkeit nur verstärkt. „Das war immer schon so mit dir! Daran hast ja nie gedacht! Immer denkst du nur an dich!“
Ich möchte mich ent - schuldigen, aber dazu brauche ich ein Gegenüber, ich kann das nicht für mich allein tun. Jemand muss mir sagen: Es ist nun einmal geschehen, aber das soll nicht immer zwischen uns stehen.
Und ich möchte natürlich auch die innere Stärke für mich selbst haben, mich so anderen gegenüber auch verhalten zu können. Das gelingt nicht immer. Oftmals sind Verletzungen so tief, dass man sich nur noch aus dem Weg gehen kann und Begegnungen auf das Notwendige beschränkt. -
Wenn ich mir wünschen könnte, wie Menschen mit meinen Fehler umgehen sollten, dann so wie einer Sommermusik in unserer Versöhnungskirche Schweicheln. Jemand hatte bei einem Spiel eine Hauptrolle übernommen und musste ein Lied mit vielen Strophen singen.
Und wie das so ist: ihm fiel der Text für eine Strophe nicht ein. Alles Zuflüstern nützte nichts, der Mann am Klavier spielte die Melodie ohne Gesang. Mir stand der Schweiß auf der Stirn, so sehr habe ich mit gelitten (mir ist es nämlich einmal genau so ergangen, und das war fürchterlich!).
Als das Lied zu Ende war, fragte der Sänger das Publikum: „Wollt ihr die dritte Strophe auch noch hören!“ Und es ging ein Raunen durch die Menge, Lachen und fröhliches Klatschen befreite alle aus der Notlage. So viel Verständnis und Mitgefühl wünsche ich mir von anderen mir gegenüber – und mir selbst wünsche ich die Kraft und die Gelassenheit, mit den Fehlern anderer ebenso umgehen zu können.
Manfred Walter, Schweicheln
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