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Ich bin es leid


„Ich bin es leid“, höre ich jetzt häufig, gemeint ist die Kälte, das Schneeräumen, Eiskratzen, die Rutschpartien. Was als Winterfreuden begann, erleben wir nun zunehmend als lange Durststrecke und warten sehnsüchtig auf Wärme, Sonne und Frühling.

„Ich bin es leid“, höre ich auch häufig bei meinen Besuchen schwerkranker Menschen, die Woche um Woche im Krankenhaus bleiben müssen.

Diese Durststrecken im Leben werden uns von außen auferlegt, es sind erzwungene Durststrecken.

Ganz anders verhält es sich mit den geschätzten ca. 11 Millionen Menschen in Deutschland, die sich entschlossen haben, sich seit Aschermittwoch freiwillig eine Durststrecke aufzuerlegen. So viele Menschen nämlich haben sich vorgenommen, in der Fastenzeit auf etwas zu verzichten, sei es Nahrung, Genussmittel, oder Fernsehkonsum, beispielsweise. Andere machen den Versuch, ganz bewusst etwas an ihren Gewohnheiten zu verändern, z.B., mit der Fastenaktion „7 Wochen Ohne“ bewusster auf andere Menschen zuzugehen, die Scheu vor Nähe zu überwinden in einer Zeit, in der Medienkontakte real gelebte Beziehungen zu ersetzen drohen.

Warum tun sich Menschen das an, was bewegt sie?

Verzicht ist nicht zeitgemäß, wird uns durch Werbung unablässig eingetrichtert. Wir haben uns an die ständige Verfügbarkeit eines riesigen Warenangebotes gewöhnt. Warten und Sparen ist uncool, es gibt doch Kredite.

Ich denke, viele Menschen spüren, dass uns diese Warenfülle nicht wirklich erfüllt. Die bewusste Gestaltung der Fastenzeit wird für sie zum Anlass, bewusster zu leben, nach dem zu fragen, was wir wirklich zum Leben brauchen, was uns mit Leben erfüllt und trägt. Ihr freiwilliger und bewusster Verzicht schafft einen Freiraum, sich neu auszurichten im Leben und nach Gott zu fragen.

Dabei befinden sie sich in guter Gesellschaft. Auch die Bibel erzählt uns von Menschen wie Mose, Elia und Jesus, die ihr Leben durch eine Fastenzeit wieder bewusst auf Gott ausrichten. Und so kann das, was als Verzicht begann, das Leben bereichern, ja sogar den Zugang zu unserer Lebensgrundlage neu eröffnen.

 Ruth Wessels-Klinkert, Pfarrerin am Lukas-Krankenhaus Bünde

 

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