 |
Lasst uns nicht hängen
42,50 Euro kostet eine Monatskarte für ein Schulkind in unseren Dörfern, das sich auf den Weg zur Grundschule macht. Leider liegt die Grundschule nicht ganz 2,5km vom Wohnort entfernt. Erst ab dieser Entfernung ist die Beförderung kostenfrei. Der Schulbusverkehr ist von der großen Öffentlichkeit beinah unbemerkt vor einigen Jahren eingestellt worden. Jetzt laufen alle Busse im öffentlichen Nahverkehr. Das ist so üblich und gesetzeskonform, nur leider für viele nicht bezahlbar. Eine ganze Reihe von Müttern oder Großmüttern leisten Fahrdienste, um das Busgeld zu sparen. Die Autoschlangen wälzen sich um kurz vor acht an den Schulen vorbei. Aber in allen Familien ist dieser Fahrdienst nicht möglich. Schon gar nicht möglich ist es für viele Familien diese Fahrkarten zu kaufen. Da kommen pro Kind im Schuljahr so um die 450 Euro zusammen. Auch ein Wittekindpass hilft da nicht, denn der Fahrpreis ist bereits ermäßigt.
Dieses kleine leise Beispiel ist nur eines von vielen. Längst wird in unserem Land über Kinder als Armutsfaktor diskutiert, längst gibt es Tafeln nur für Kinder, Hilfsangebote vielerlei Art, auch von uns Kirchen.
„Lasst uns nicht hängen“ heißt die Kampagne der Evangelischen Kirche von Westfalen . Kinderarmut betrifft nicht mehr nur eine kleine Minderheit unter den Kindern und Jugendlichen, sie hat ganz verschiedene Ursachen und wirkt sich an vielerlei Stellen im Leben der Kinder aus.
Nun können wir als Christenmenschen ausgiebig und mit Leidenschaft über den Sinn solcher Kampagnen diskutieren. Wir können aber auch einfach Missstände benennen und pragmatisch nach Lösungsmöglichkeiten suchen. Dazu müssen wir allerdings erst mit offenen Augen sehen, was ganz und gar nicht in Ordnung ist in unserer Welt der Hochglanzprospekte und schönen Worthülsen. Ich nehme mir vor nach Menschen Ausschau zu halten, die bereit sind für kleine Jungen und Mädchen 42,50 Euro im Monat zu geben, damit sie nicht durchnässt zwei Kilometer auf dem Fahrrad fahren müssen, wenn der Herbst beginnt.
Am 20 September ist Weltkindertag – ob ich dann einige Busfahrkarten beisammen habe?
Vielleicht sehen Sie ja ganz andere Ansatzpunkte. Die westfälische Landeskirche hat viele Projektideen gesammelt, die uns zur Nachahmung anregen können.
Ulrike Schwarze, Pfarrerin in Hagedorn
Zurück
|
 |