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Mea culpa – Ich hab`s verbockt?
Als Mama in den Garten kommt, ist die Kleine schon verschwunden. Sie drückt sich in einen Winkel an der Hecke und schaut nicht auf. Das schlechte Gewissen dringt ihr aus allen Poren. Gummibärchen heimlich weggefuttert – und dann auch noch der Mutter ins Gesicht gelogen. Aber sie weiß, was sie falsch gemacht hat, und den Ärger der Mutter akzeptiert sie. Später wird sie sich entschuldigen – und hoffentlich demnächst nicht mehr lügen.
Zu den eigenen Fehlern zu stehen ist eine Kunst, die Menschen lernen müssen. Es ist ja auch nicht einfach, so etwas zuzugeben: Ja, ich habe Mist gebaut. Ja, ich habe durch mein Verhalten anderen geschadet und Übereinkünfte und Vertrauen verletzt – und ich übernehme dafür die Verantwortung. Leichter wäre es, scheinbar locker darüber hinwegzugehen und so zu tun, als sei doch alles gar nicht so schlimm. Leichter wäre es vielleicht auch, in der Versenkung zu verschwinden und jeglicher Konfrontation aus dem Weg zu gehen. Doch beide Möglichkeiten führen nicht zu einer echten Lösung, nicht zur Freiheit eines (besseren) Neuanfangs.
Beispiele für den Umgang mit Fehlern erlebe ich in diesen Tagen sowohl im Großen wie im Kleinen – und das ganz unterschiedlich. Die Kollegen, die über einen Streit nicht hinwegkommen, weil keiner bei sich selbst einen Anteil daran sucht. Die Aufdeckung des „Sondervermögens“ in unserem Kirchenkreis und der Versuch, darüber zu einem Neuanfang auch in Finanzfragen zu kommen. Die Plagiatsvorwürfe gegen einen Minister und seine Art, sich ihnen (nicht?) zu stellen. Der Umgang mit den Demokratieforderungen in den arabischen Mittelmeerstaaten, der den betroffenen Menschen Wege in die Zukunft öffnen könnte oder ihnen solche Wege verschließt.
igene Fehler, eigene Schuld zu erkennen und sich ihr zu stellen ist niemals leicht – aber es ist die beste, wenn nicht die einzige Möglichkeit für einen wirklichen Neuanfang. Für mich ist dabei immer wieder mein christlicher Glaube eine Hilfe. Denn vor Gott kann ich erkennen: Ich bin wertvoll, ich bin geliebt – auch trotz und mit meinen Fehlern. So werde ich frei, mich selber anzunehmen, so wie ich bin – und da, wo ich mich falsch verhalten habe, einen Neuanfang wagen zu dürfen: auch, wenn es nicht nur um ein paar heimlich verdrückte Gummibärchen geht.
Pfarrerin Claudia Günther, Ev.-Luth. Lydia-Gemeinde Bünde
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