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Ostern befreit zur Hoffnung
Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erster von denen, die entschlafen sind. 1.Kor. 15.20
Seelsorgerlich eindringlich fragt Paulus nach der Tragweite unserer Hoffnung. Ist es die Hoffnung, die sich bewährt an der Realität? An der Realität des Todes?
Zum Menschen gehört der Tod. Mit seinem Auslöschen der Lebendigkeit aller Gedanken und Bewegungen. Mit seiner Verwesung des Leiblichen. Den „letzten Feind" nennt Paulus diesen Tod. Erst wer ihm entgegengesehen, entgegengedacht, gleichsam sein Testament gemacht hat, weiß, was Christus vermag, was wir von ihm erhoffen dürfen.
Adam, in der Bibel der Vertreter aller Menschen, hört das Wort: „Du bist Erde und sollst zu Erde werden". Aus dem, was von ihm übrig bleibt, Erde und Asche, wird sich nichts Unzerstörbares erheben. In Adam, d. h. als Menschen, sterben wir alle. Aber das ist die Osternachricht: „In Christus werden alle lebendig gemacht werden.“ Das heißt: Durch den Glauben an ihn empfangen wir, was er uns schenkt: Ewiges Leben. Wie er an unserem Schicksal teilnahm, in den Tod zu gehen, so ist er für uns auferstanden, um den Tod zu überwinden. Nicht vom ersten Ostertag spricht Paulus, sondern vom letzten Ostern für alle Welt. Wie Luther noch sagte: Vom „lieben jüngsten Tag".
Das Ende ist nicht die Vernichtung, sondern die Vollendung dieser Schöpfung. Dieser Schöpfung, von der Gott sagte, sie war sehr gut, dieser Schöpfung, die das Geschöpf in Auflehnung gegen seinen Schöpfer immer wieder mit tödlicher Verwüstung überzogen hat, sie wird einmal ganz von der Liebe Gottes erfüllt sein, „damit Gott sei alles in allem".
Dann ist das Reich Gottes vollendet, wenn einmal nur noch Gottes Liebe regiert. Ostern sagt an, dass die ganze Welt eine Zukunft hat. Das ewige Leben ist die göttliche Antwort auf die Frage nach dem Schicksal des Einzelnen. „Reich Gottes“ - wie die Evangelien sagen - „Gottes Sein in allem" - wie Paulus sagt - ist die göttliche Antwort auf die Frage nach dem Geschick der ganzen Welt.
Einer Welt, in welcher der Tod nicht mehr ist, Leid und Schmerz nicht mehr, sondern nur Geborgenheit in der Nähe Gottes. Auch zerstörerische, Angst machende und niederdrückende Macht von Menschen über Menschen gibt es dann nicht mehr. Wie Jesus von Nazareth seinem Vater im Himmel gehorsam war, so wird auch der Auferstandene, Christus, der Welten-Herrscher, zum letzten Mal gehorsam sein und somit alle Kreatur einbeziehen in das Leben vor Gott. So dass alles Leben wieder unter dem Zeichen ist, nach dem der Schöpfer und Erlöser regiert, dem der Liebe. Ostern wird es. Der Apostel sieht prophetisch den Himmel offen. Ostern, Neubeginn einer Menschheit, die nicht mehr unter der Geißel des Todes zwischen Angst und Verbrechen taumelt.
In Frankreich, in der Gegend von Piemont, gibt es einen alten Osterbrauch. Wenn am Morgen des 1. Ostertages die Glocken läuten, laufen Kinder und Erwachsene zum Dorfbrunnen. Mit dem klaren kühlen Wasser waschen sie sich die Augen. Eine Zeichen-Handlung, eine Art Gebet um Oster-Augen. Wir wollen besser sehen, was durch die Auferstehung für Welt und Mensch anders wird.
Manchmal gelingen uns Demonstrationen für Gottes Reich wie dem kleinen Heiligen, von dem Albert Schweitzer erzählt - und wer sein Leben kennt, merkt, dass er von sich erzählt. Der kleine Heilige erschrickt nicht, als der Engel ihn, in die Ewigkeit abholen will, denn er freut sich darauf. Aber du siehst ja, was hier noch für ein Berg Geschirr abzuwaschen ist, lässt sich das mit der Ewigkeit nicht noch so lange hinausschieben? Der Engel sieht ihn freundlich an und verschwindet. Eines Tages treffen sie sich im Garten. „Sieh dir das Unkraut hier an!“ sagt der kleine Heilige. Der Engel lächelt und entschwindet. So werkte der Kleine fort, und die Zeit ging hin. Dann trafen sie sich im Krankenhaus, wo der Kleine von Bett zu Bett eilte, um alle zu versorgen. Diesmal breitet er nur viel sagend die Arme aus. Aber einmal liegt er erschöpft auf seinem Lager und fühlt sich ganz alt und müde. Da wünscht er selbst den Engel herbei. Und als er kommt sagt er: „ Wenn du mich noch nimmst, so bin ich nun bereit, in die Ewigkeit einzugehen.“ Da sagt der Engel freundlich zu ihm:" Was glaubst du wohl, wo du die ganze Zeit gewesen bist"?
Unsere Schritte des Alltags gehen wir im Licht von Ostern. Es erlischt nicht, auch wenn wir die Augen schließen. Hoffnung auf Christus befreit zum Leben und zur Liebe.
Pfarrer i.R. Dr. Reinhard Gaede, Herford
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