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Ostern will Spuren hinterlassen


Ostern will mehr sein als ein Datum im Kalender, mehr als zwei Festtage. Ostern will uns in allen Belangen unseres Lebens neu beleben, uns in den Traurigkeiten seine aufrichtende Nähe erleben lassen. In all den schmerzlichen Prozessen, die sich wie ein Schatten über unser Leben legen, will er unerkannt an unserer Seite sein und uns an sein Vermächtnis erinnern: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage.“ So sind wir eingeladen, uns ganz eng diesem auferstandenen Herrn anzuschließen, um seine durchtragende Macht zu erfahren.

Ostern, Auferstehung Jesu,  will ins Leben gezogen werden. Wie kann das aussehen und sich auswirken? Es gibt so viel Totes mitten im Leben.

Da zerbrechen Beziehungen, die uns einmal viel bedeutet haben und uns innere Kraft verliehen haben. Wir stellen fest, da hat sich eine Entwicklung angedeutet, in deren Verlauf sich viele Scherben unseres Glückes und unserer Lebensfreude angehäuft haben. Ehen sind bedroht, Familien gefährdet, Stützen brechen weg, die unserem Leben und Zusammenleben Erfüllung, Halt und Orientierung gegeben haben.

Ich kann das alles beklagen, aber bring ich auch die Ehrlichkeit und Kraft auf, mich selbst zu fragen, was das womöglich mit mir selber zu tun hat? Hab ich mir meine Kritikfähigkeit bewahrt, die nach Auslösern von unguten Entwicklungen fragt?

„Du bist der Mann“, hat einst Nathan dem König David gesagt, nachdem er Ehebruch begangen hatte und die Spuren zu verwischen suchte. Jeder braucht seinen Nathan, der den Finger in wunde Stellen legt und mir bewusst macht, wo ich andere verletzt oder hintergangen habe, wo ich dazu beigetragen habe, dass andere unter mir leiden.

Da hat Ostern, Auferstehung Jesu, seinen Platz. Es soll noch einmal zum Leben erweckt werden, was unter die Räder gekommen ist: Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit, Einsicht und liebevoller Umgang. Es sollen nicht weiter Opfer meiner Art und Unart, meines Eigensinns meinen Lebensweg säumen.

Aber wie kann das gehen? Wie kann es zu einer Auferstehung Jesu ins Leben kommen, ganz praktisch?

Ich gebe Gott Recht, wenn ich mich vor den Röntgenschirm seines Wortes gestellt sehe und die dunklen Punkte wahrnehme. Ich beginne, Fehlverhalten nicht mehr zu verharmlosen und zu bagatellisieren, höre auf, mich  selbst zu rechtfertigen und immer nur andere und anderes verantwortlich zu machen. Ich stelle mich. Mit allem, was meinem Leben anhängt, stelle ich mich.

Geht das? „Bei den Menschen ist’s unmöglich, aber bei Gott sind alle Dinge möglich.“ Matth.19,26. Ostern hat die verwandelnde Kraft, wenn ich Gott an mein Herz heranlasse, das dann Hände, Füße und Worte mit seiner Auferstehungsmacht prägt.  Er kann schaffen, was uns unvorstellbar erscheint. Machen wir doch mal die Probe auf’s Exempel.

 Ostern will ins Leben. Unsere Welt könnte aufatmen, wenn es viele verwandelte Menschen gäbe. Geben wir Gott, uns und unserer Welt die Chance dazu.

Reinhard Linke, Gemeindepfarrer in Bünde-Spradow

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