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Reisegepäck fürs Leben
Er ist schon alt und grau geworden; seine Nähte sind nicht mehr dicht und die Trageriemen im Laufe der Zeit zerschlissen. Mein alter Rucksack ist in die Jahre gekommen und jetzt ist es an der Zeit, ihn durch einen neueren zu ersetzen. Auf so vielen Reisen zwischen Nordsee und Mittelmeer hat er mich stets begleitet und immer alles zuverlässig getragen: unsere Strandutensilien fanden in ihm Platz; später auch die Windeln und Ersatzkleidungen für unsere Kinder. Auf Wanderungen nahm er den Reiseproviant mit und ein Fotoapparat war auch immer dabei. Wir hatten uns aneinander gewöhnt. Am Anfang war er noch etwas sperrig. Aber im Laufe der Jahre verwuchsen wir miteinander und er wurde mir zur zweiten Haut.
Ein jeder von uns ist auf vielen Wegen unterwegs durch sein Leben. Und dabei schleppen wir Vieles mit. Sei es mit oder ohne Rucksack. Keiner kann ohne Reisegepäck seinen Lebensweg gehen. Wir sind geprägt von dem, was uns unsere Eltern, Geschwister, Großeltern, so manche Verwandte und gute Freunde mit auf den Weg gegeben haben. Dazu kommt die Schul- und Ausbildungszeit, in der wir nicht nur reichlich Schulbücher zu tragen, sondern auch so manche Klassenarbeit und Prüfung zu überstehen hatten. All das hat sich tief in uns eingeprägt. Und je älter wir werden, desto umfangreicher und auch schwerer wird das Reisegepäck, mit dem wir unterwegs sind. Manches davon tragen wir gerne mit uns herum, anderes würden wir am liebsten gleich wieder abschütteln, schaffen es aber nicht.
Auch unser Glaube gehört zu diesem Reisegepäck. Ob er für uns belastend oder eher angenehm zu tragen ist, hängt davon ab, wie wir ihn selbst erfahren haben. Haben wir ihn in unserem Elternhaus, in der Schule und Kirche als Zwang erlebt, dann werden wir alles tun, um ihn abzuschütteln. Haben wir ihn aber als Hilfe und Trost erfahren, dann werden wir nicht auf ihn verzichten wollen. Und so erinnern sich manche gerne an ihren Konfirmations- oder Trauspruch und gehen damit durchs Leben.
Ein solcher Spruch aus dem Galaterbrief lautet: „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen!“ Wer jemanden in seinem Leben gefunden hat, der oder die mittragen hilft, wenn das Reisegepäck für einen alleine zu schwer wird, der weiß, welch eine Erleichterung das für einen ist. Ich wünsche Ihnen, dass Sie nicht alleine unterwegs sind. Und was tragen Sie so alles im Reisegepäck Ihres Lebens mit sich herum?
Kai-Uwe Spanhofer, Gemeindepfarrer in Sundern
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