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Tue deinen Mund auf für die Stummen
Ein Bibelwort in diesen Tagen heißt: „Tue deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind“ (Sprüche 31, 8). Es lässt aufhorchen.
Anders ausgedrückt gilt also, die stillen Hilferufe des Mitmenschen zu hören. Jesus präzisiert die Aufforderung, den Mund für die Stummen aufzumachen, und er erinnert an die Kranken, die Gefangenen, die Unbekleideten, die Hungernden und Durstigen, die Fremden (Matthäus 25). Das sind die Stummen, denen wir an die Seite gestellt werden.
Wenn wir aufmerksam durchs Leben gehen, merken wir bald: Wir kennen mehr Menschen, die unseren Beistand brauchen, als wir im ersten Augenblick denken. Kranke Menschen gibt es fast immer in unserer unmittelbaren Umgebung, in der Familie, in der Nachbarschaft. Stellen wir uns entschlossen an ihre Seite? An die Hungernden und Dürstenden werden wir auf großen Plakaten in unseren Städten erinnert. Die weltweite Not ist erschreckend. Wie gut, dass Menschen sich anrühren lassen und zur Hilfe bereit sind, so gut sie es können.
Doch den Mund für die Stummen auftun, das heißt auch, gerechte Verhältnisse anmahnen. Nicht umsonst heißt ein Motto unserer Kirche: „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“.
In einem seiner Briefe aus dem Gefängnis schreibt Dietrich Bonhoeffer am 21. Mai 1944: „Unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen. Alles Denken, Reden und Organisieren in den Dingen des Christentums muss neugeboren werden aus diesem Beten und aus diesem Tun.“
Wir müssen also beides zusammen sehen und bedenken: Wer seinen Mund für die Stummen auftut, der darf den Rückbezug zu Gott, dem himmlischen Vater, nicht vergessen. Und wer die Hände zum Gebet faltet, muss den Mitmenschen im Blick behalten, muss dessen Anliegen auf sein Herz nehmen und es zu seiner Sache machen.
Tue deinen Mund auf für die Stimmen – das meint also auch: Vom Mitmenschen her denken, verstehen, was ihn bewegt und bedrückt, für ihn zum Mund werden. Jesus hat uns gezeigt, auf wen wir achten sollen. Die Aufgabe überfordert uns nicht, sie macht uns nur aufmerksamer für das, was für unseren Nächsten nötig ist.
Gernot Bock, Pfarrer in der Lydia-Gemeinde Bünde
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