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Was ist gut?


Was ist gut? Diese Frage drängt sich dem auf, der auf einen Ausspruch des Propheten Micha stößt: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott“ (Micha 6, 8).

Dieser kurze Satz wirkt wie in Stein gemeißelt. Seltsam, wird man denken, für diesen Mann scheint es fest zu stehen, was das ist: das Gute. Aber im Alltagsgeschäft ist das nicht immer so sicher auszumachen. Was ist jetzt richtig? Was muss ich tun, um andere Menschen nicht zu schädigen, ja mehr noch, um ihnen hilfreich zur Seite zu stehen?

Und weil wir das nicht immer sicher ausmachen können, deshalb tun wir lieber erst gar nichts. Insofern ist der Appell des bekannten Moralisten Erich Kästner nur allzu verständlich: „Es gibt nichts Gutes. Außer: Man tut es.“ Und man kann heraushören: Nun tu doch endlich das Gute. Doch wie das so ist: Wer etwas tut, wer zur Tat schreitet, kann sich leicht die Hände schmutzig machen. Also lässt man es lieber.

Ob die Worte des Propheten Micha vielleicht doch eine Hilfe, eine Richtschnur sein können? Was ist das Gute?

Der Prophet stellt zunächst den Gottesbezug her. Halte dich an die Worte Gottes und du wirst den Weg zum Guten finden. Welche Worte könnte Micha meinen? Nun, wahrscheinlich sehr einfach: Er wird die Gebote meinen. In ihnen wird ja ganz verständlich gesagt, was das Gute ist, so verständlich, dass eigentlich jeder Mensch zustimmen müsste.

Wir wissen doch: Einen Menschen töten, ist nicht gut. Also muss es unterbleiben. Wir wissen auch: Uns an fremdem Eigentum zu bereichern, ist nicht gut. Also ist fremdes Eigentum zu schützen, ja wir sollen gar dabei helfen, es zu mehren, wie Martin Luther es im Kleinen Katechismus gesagt hat. Und so treiben die Worte des Propheten fast wie von selbst auf die nächste Aufforderung hin: Gutes tun, das heißt nichts Anderes als Liebe üben. So ist das also. Und wo ich Liebe übe, da nehme ich mich zurück und lasse Gott und den Nächsten Mittelpunkt sein.

Vielleicht gelingt es uns ja doch trotz vieler Fragen, in diesem Sinne Gutes zu tun.

Pfarrer Gernot Bock, Lydia-Kirchengemeinde Bünde (Versöhnungskirche)

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