Wie nah ist Ihre letzte Stunde?
Das Leben birgt große Gefahren: Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Unfälle. Doch wann genau wird es zu Ende sein? Sie möchten das gerne wissen, planen Sie doch im übernächsten Jahr eine große Reise? Dann klicken Sie doch eine amerikanische Website an und Sie erfahren Ihr ganz persönliches Todesrisiko – wenn Sie es denn wissen wollen.
Die Betreiber der Website arbeiten an einer Universität und verfolgen hehre Ziele: Sie wollen Menschen über ihr Sterberisiko aufklären und zur Änderung ihres Verhaltens auffordern. Schließlich verringern Alkohol, Zigarettengenuss und Fettleibigkeit ebenso unsere Lebenserwartung wie mangelnde Vorsicht im Straßenverkehr.Das alles ist den meisten von uns ohnehin klar, hindert sie jedoch kaum daran, die (gesundheitsschädlichen) Genüsse des Lebens auszukosten.
Was mache ich nun? Soll ich mein persönliches Todesrisiko berechnen lassen? Und wenn ich weiß, wie lange ich noch zu leben habe, wie geht es mir dann? Verfalle ich in Depressionen, wenn die Zeit zu kurz ist? Vermutlich wird sie immer zu knapp sein für das, was ich noch alles vorhabe. Schließlich lebe ich gerne und koste die Zeit aus.
Vielleicht ist es am besten, ich halte mich an die Psalmbeter. „Meine Zeit steht in Gottes Händen“ sagt einer und hat sicherlich fröhlich gelebt, das hört man aus seinen Worten heraus. Wenn ich zufrieden lebe, kann ich auch zufrieden sterben, wann immer dieser Zeitpunkt kommen wird.
Und für alles, was ich vorhabe, gelten die drei Buchstaben: s.c.j. Vielleicht haben Sie die drei Buchstaben schon einmal in alten Briefen, Handschriften oder Büchern gefunden: s-c-j. Das ist die Abkürzung für sub conditione jacobi, unter der Bedingung des Jakobus.Gemeint damit ist eine Stelle im Jakobusbrief. Dort heißt es im 4. Kapitel: „So Gott will und wir leben“. So Gott will und wir leben werden wir dies und jenes tun.
Ich habe mich entschieden: Ich will mein Todesrisiko nicht wissen. Meine Zeit steht in Gottes Händen – und ich werde wieder mehr Sport treiben, um Gott bei der Entscheidung über meine Lebenszeit ein wenig zu unterstützen.
Manfred Walter, Pfarrer der Stephanus-Kirchengemeinde Hiddenhausen
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